Anspruchslose Geschichten by Pauline Hann

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By Ava Marino Posted on Nov 15, 2025
In Category - Expedition Notes
Hann, Pauline, 1855- Hann, Pauline, 1855-
German
Ever wonder what life was really like for ordinary people in the 19th century? Pauline Hann's 'Anspruchslose Geschichten' (Unassuming Stories) offers a quiet, intimate window into that world. Forget the grand historical dramas; this book is about the small moments—the quiet hopes, the daily struggles, and the simple joys of everyday folk. It’s like stumbling upon a beautifully preserved collection of old photographs, each one telling a complete, heartfelt story. If you're tired of flashy plots and want something genuine and reflective, this hidden gem is a perfect, calming read.
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Tantalusqualen bereiten, wenn er seinen bedeutenden Freund nicht hätte. Diesem allein, und nicht etwa den eigenen bestechenden Eigenschaften, -- Niemand sollte das besser wissen als Rudolf Müller selbst, -- verdankt er es, dass er mit der schönsten, liebenswürdigsten Dame der Gesellschaft, -- nein, der Welt! -- in einem Glaskasten plaudern darf, der auf den stolzen Titel Wintergarten Anspruch erhebt und mit Palmen, Gummibäumen und blühenden Azaleen so vollgestopft ist, dass ausser dem Bänkchen, auf welchem Else Friedjung sitzt, und einer Handbreit Raum, auf welcher er steht, kein Platz für etwaige Eindringlinge wäre. Seit dreiviertel Jahren betet er die junge Dame an, aber leider aus gemessener Entfernung, denn für einen mit dem Laster der Bescheidenheit behafteten Menschen giebt es keine Möglichkeit, sich durch die dreifache Reihe von schwarzen Fräcken durchzuwinden, die beständig das schöne, lebhafte Millionärskind umschliesst, wie die Midgardsschlange die Weltesche. Aber vor etwa einer halben Stunde hat ihm seine Cousine zugeraunt: »Else Friedjung wünscht, Dich kennen zu lernen, Du Glückspilz, versteht Du, sie wünscht es.« Ob er versteht! Wenn er sich noch nicht die Karte »ami de Beethoven« drucken liess, so liegt dies bloss daran, dass er noch ein Weilchen warten will, bis ausser dem niedlichen Einacter, der vor etwa vierzehn Tagen im Hoftheater aufgeführt wurde, auch noch die anderen unsterblichen Werke erschienen sind, mit welchen sein bedeutender Freund heute oder morgen, bis er in der richtigen Stimmung dazu ist, die Welt aus den Angeln heben und sämmtliche Classiker, Romantiker und moderne Theaterdichter in das Nichts zurückschleudern wird. Das schöne Mädchen wies ihm auf der eng beschriebenen Tanzkarte eine leere Stelle. »Ich habe den Walzer für Sie aufgespart, Herr Müller«, sagte sie liebenswürdig. Er ballte die Faust, -- in Gedanken natürlich, -- gegen den Tanzmeister, der ihn als hoffnungslosen Fall aufgegeben; aber Elsen Friedjung stand der Sinn nicht nach Tanzen. In all ihrer Anmuth, die dem armen Jungen den Kopf vollständig verdreht hat, erhob sie sich, legte die Hand auf seinen Arm und liess sich von ihm in die Tropenlandschaft führen. Selbst das tugendhafteste Mauerblümchen entdeckte nichts Ungehöriges darin; ein heimliches Zwiegespräch mit Rudolf Müller gehört zu den Dingen, die Jede begreift und Jede entschuldigt. Es ist nicht die geringste Gefahr dabei; nicht dass er etwa abschreckend hässlich, oder unerlaubt dumm wäre, oder auf dem grossen Theater eine allzu verächtliche Lampenputzerrolle spielte, -- verständige Papas unverständiger Töchter schätzen ihn als tüchtigen, aufstrebenden Kaufmann, -- aber sein bedeutender Freund, der einen Schatten wie der Kölner Dom wirft, lässt ihn pygmäenhaft klein, ja zu Zeiten mit freiem Auge gar nicht wahrnehmbar erscheinen. Else Friedjung liess die Stäbe ihres Fächers durch die Finger gleiten und heftete die Augen auf dieses Spiel. »Ich höre, Sie sind mit Doctor Engelbert Holstein näher befreundet«, fing sie in leichter Verlegenheit an. Rudolf knickte innerlich zusammen. Die leise Hoffnung, die ihn trotz aller Erfahrungen umschmeichelt, liess ihre Flügel kläglich hängen und er bereitete sich für die Antworten vor, die er, zum beliebigem Gebrauch bei jedem Tête-à-tête auswendig gelernt: »Wir wohnen beisammen.« (Und eine recht vernünftige Theilung der Arbeit besorgen sie dabei, der Bedeutende bestrahlt mit seinem Ruhm das elegante Junggesellenheim nahe dem Thiergarten, und Rudolf Müller bezahlt es; doch diese intimen Details gehören nicht hierher.) »Er wird kommenden November 24 Jahre alt.« »Sein Geburtstag fällt sechs Tage später als der Schiller's« (Die gestickten Schreibmappen, Federwischer, Cigarrentaschen, die diese Enthüllung in die Welt gesetzt, lassen sich kaum zählen.) »Er ist vollständig unverheirathet.« Dann eine Verbeugung, und der junge Mann weiss, dass er aus den Gedanken seiner schönen Nachbarin fortgewischt ist, wie eine Null mit dem Schwamm von einer Rechentafel. Aber Else Friedjung ist ein geistreiches Mädchen; sie bringt...

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Pauline Hann's Anspruchslose Geschichten is a collection of short stories first published in the late 1800s. It doesn't follow one grand plot, but instead paints a series of portraits. We meet villagers, family members, young people starting out, and older people looking back. The 'conflict' here is often internal or situational—a moral dilemma, a quiet longing, or the challenge of maintaining dignity in simple circumstances.

The Story

Think of this book as a walk through a 19th-century German town or countryside. Each story stops to focus on a different person. You might follow a young woman navigating expectations about marriage, a craftsman taking pride in his honest work, or a family dealing with a modest change in fortune. There are no villains or epic battles. The drama comes from real human emotions: hope, disappointment, resilience, and contentment.

Why You Should Read It

What struck me most was the book's quiet authenticity. Hann writes with a clear, observant eye. Her characters feel like real people you might have known. Reading it is a peaceful experience. It slows you down and makes you appreciate the depth in 'ordinary' lives. In our fast-paced world, there’s something deeply refreshing about stories that find meaning in simplicity and integrity.

Final Verdict

This book is perfect for readers who love historical fiction but want a break from kings and wars. It's for anyone who enjoys character studies and slices of life. If you like authors like Jane Austen for their social detail, but wish for a focus on the middle and working classes, you’ll find a kindred spirit in Pauline Hann. It’s a thoughtful, calming collection that proves you don’t need a huge plot to tell a powerful story.



✅ Public Domain Content

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Jennifer Rodriguez
6 months ago

High quality edition, very readable.

4
4 out of 5 (1 User reviews )

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